Matt Ruff: "Ich und die anderen"
Der verspielte Jake, Machotyp Adam, die etwas verrückte Tante Sam, der athletische Seferis und der weise Aaron – sie alle leben in Andy Gages Köper. Andy Gage hat eine multiple Persönlichkeitsstörung. Heißt: im einen Moment ist Jake, der kleine Junge, in Andys Körper, im nächsten die kunstverliebte Tante Sam. Andy hat das seit einer Therapie im Griff. Er hat in seinen Gedanken ein Haus gebaut, in dem alle seine Persönlichkeiten leben und er bestimmt, wer wann wie viel Zeit in seinem Körper bekommt. Allerdings gerät das alles ein bisschen ins Wanken als seine beste Freundin und Chefin ihm Penny Driver vor die Nase setzt. Penny ist auch multipel, weiß es aber noch nicht. Andy soll ihr helfen und damit gerät auch seine Welt ein bisschen aus den Fugen. Schließlich muss er sich dafür mit seiner Vergangenheit beschäftigen. Im "Haus" führt das zu einem mittleren Chaos. Um da wieder raus zu kommen, muss Andy eine Menge Liebeskummer, eine Reise durch halb Amerika und einen Mordversuch durchstehen. Die Story ist spannend, aber auch zum Brüllen komisch und ein bisschen traurig zugleich und hat einige überraschende Wendungen auf Lager.
Matt Ruff kennen wir eigentlich als jemanden, der immer wieder komische Welten erfindet. Bei "Ich und die anderen" hat er das auch gemacht – aber so real wie nie. Rausgekommen sind ein brillant recherchiertes Buch über multiple Persönlichkeiten und ein knackig geschriebener Roman mit vielen unglaublich komischen Szenen. Es gibt wenige Romanfiguren, die wir schon auf den ersten Metern so sehr ins Herz schließen wie Andy Gage. Das liegt einfach daran, dass Ruff seine Figuren in wenigen Zeilen sehr klar zeichnet und mit unglaublich viel Liebe beschreibt. Zum Beispiel wenn sämtliche Persönlichkeiten Andys nacheinander am Frühstückstisch sitzen und jede ihre ganz eigenen morgendlichen Abläufe lebt. Und genau deshalb verstehen wir Andy Gage so gut, leiden mit ihm, freuen uns mit ihm – und hoffen von der ersten Seite an, dass er heil aus der ganzen Nummer rauskommt und glücklich wird. Matt Ruff nimmt uns also mit auf einen Trip durch die menschliche Psyche und wir lernen dabei eine Menge über multiple Persönlichkeiten.
Wer allerdings halbwegs Englisch versteht, sollte das Original lesen. Bei der Übersetzung hat "Ich und die anderen" ein bisschen gelitten und ein paar sprachliche Holperer abbekommen. Außerdem klingt der Titel auf Englisch viel schöner: "Set this house in order. A romance of souls"

