Annika Fallak

Journalistin, Moderatorin & Sprecherin

Emmo Müller: "Sina Biberstein und das geheimnisvolle Koboldbuch"

Wenn bei mir zuhause mitten in der Nacht plötzlich ein Kobold auftauchen würde und eine komische, zischende Sprache spricht, die ich auf wundersame Weise aber trotzdem verstehe, dann wäre das erst mal schon Abenteuer genug. Wenn aber dieser Kobold dann auch noch meinen Vater in seine Welt entführt, dann wäre richtig Alarm.

Und damit sind wir auch schon mitten drin, in Sina Bibersteins erster Begegnung mit der Woanderswelt und dem Geheimnis um ihr eigenes Leben.
Sina macht sich nämlich mit ihrem Freund Konrad auf die Suche nach ihrem Vater – und findet dabei das Tor zur Welt der Kobolde. Unterstützt wird sie dabei von einem etwas seltsamen Millionär, der sein ganz eigenes Interesse an Sina zu haben scheint und von dem wir lange nicht so recht wissen, ob wir ihn jetzt mögen sollen oder nicht.
Und je tiefer Sina in die Woanderswelt eintaucht, desto mehr erfährt sie darüber, was sie selbst mit dieser faszinierenden Welt zu tun hat.
Dabei hast sie es nicht immer einfach – natürlich lauern in dieser fremden Welt auch Gefahren und so fiese Geschöpfe wie Bergunholde, die Kindern wie Sina und Konrad nicht so wirklich wohlgesonnen sind.
Und ganz nebenbei geht es in dem Roman nicht nur um das Abenteuer in der Woanderswelt, sondern auch um wirklich gute Freundschaft.

Das Buch sprüht einfach vor Spannung und vor richtig schönen Ideen. Wem fällt schon bei der Begegnung mit einem fauchenden Drachen ein, das eigene Asthma-Spray anzubieten, damit der Drache wieder richtig Feuer spucken kann? Oder wer kommt auf die Idee, sich eine Pflanze ins Ohr zu stecken, um alle möglichen Sprachen der Woanderswelt verstehen zu können?
Das Buch hat mir einfach Spaß gemacht – und es hat etwas ziemlich Eigenartiges geschafft: beim Lesen war mir, als ob zwischendurch mal hinter meinem Wohnzimmersessel ein kleines, seltsam aussehendes Wesen hervorgelugt hätte…

Es müssen nicht immer Rowling oder Funke sein, wenn es um Jugendbücher aus der Fantasy-Ecke geht. In diesem Fall ist es nämlich ein Autor von nebenan, der nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene mit seinem Debüt fesselt. Emmo Müller kommt aus Weinheim und ist quasi der "Papa" von Sina Biberstein. Es gibt nicht viele Autoren, denen ich die Fortsetzung ihrer Geschichte eigenhändig aus dem Ärmel leiern würde, aber Emmo Müller gehört dazu. Er hat für seinen ersten Jugendroman einen eigenen, kleinen Verlag gegründet, in dem er das Buch zu Anfang herausgegeben hat. Und für den Verlagsnamen hat er sich mit "Flüsterklee" den schönsten Begriff seines Buches ausgesucht.