Immer wieder sonntags

Hessen wählt. Mal wieder. Mein Bedauern gilt heute denjenigen, die in den vielen, vielen Wahllokalen sitzen müssen. Listen abhaken, Wahlbenachrichtigungen stapeln oder den Zettel vom Urnenschlitz wegziehen und wieder draufschieben. Weg – und wieder drauf. Und noch mal weg – und wieder drauf. Wobei: das müssen sie heute sicher weniger oft tun als vor einem Jahr. Immerhin.
Da fragt sich der umsichtige und nette Wähler: wie kann ich denen im Wahllokal ein bisschen Spaß und Abwechslung bereiten? Die Antwort ist gar nicht so schwer.
Schon die Begrüßung: „Ich bin die 411.“ lässt die vier Menschen, die wie Hühner auf der Stange dasitzen, irritiert aufschauen und dann schmunzeln. Ein erster Erfolg.
Dann die Frage: „Und wo muss ich jetzt das Kreuz machen, damit die Andrea doch noch Chefin von Hessen wird?“ Die Irritation wird größer. „Also… da haben Sie was falsch verstanden…“ Nein. Habe ich nicht. Ich wollte nur mal testen.
Ich gehe in die Wahlkabine, studiere den Wahlzettel und denke über meinen nächsten Spaß nach.
Als ich rauskomme, springt Zettelwegschieber auf. Aber ich habe noch eine Frage: „Also… da war jetzt unten gar kein Strich für meine Unterschrift. Ich hab jetzt einfach neben dem Kreuz für die Zweitstimme unterschrieben, okeh?“
Dem Wahlbenachrichtigungskartenaufstapler entgleisen die Gesichtszüge. Der Wählerverzeichnisabhakerin auch zuerst – dann fängt sie wirklich an zu lachen. Nur der Zettelwegschieber ist auch im Kopf so fix wie auf den Beinen: „Alles klar, wir schicken es Ihnen dann später zu.“
Einwerfen kann ich den Stimmzettel aber noch nicht. Ich schaue mich suchend um. „Das Fernseh-Team… hat das gerade Pause?“ Stille. Fragende Blicke. „Ja, man wird doch immer gefilmt bei der Stimmabgabe. Habe ich eben im Fernsehen gesehen. Bei Roland Koch war das auch so.“ Gut, dass es die Hühnerstange gibt.
Egal, wie’s nachher ausgeht – zumindest ich hatte Spaß beim Kreuzchen machen. Und vielleicht auch ein bisschen die Abhaker, Aufstapler, Wegzieher und Zugucker in meinem Wahllokal. Aber ganz ehrlich: nächsten Januar könnte ich darauf verzichten und mir was anderes vornehmen.
Und jetzt muss ich fernsehen. Gleich kommt die erste Prognose. Ich gebe zu: ich bin ein bisschen aufgeregt.
