Apfelessen für Fortgeschrittene

Es ist DIE Anschaffung überhaupt. 3 Euro 99. Es spart Zeit. Es sorgt indirekt für ein gesünderes Leben. Und es macht Spaß. Eine Weltidee also.
Ich habe mir einen Apfelspalter gekauft.
Er hat ein Loch in der Mitte mit dem Durchmesser eines Kerngehäuses – ungefähr. Von diesem kleinen Metallring gehen strahlenförmig acht Metallklingen ab. Setzt man das Ding von oben auf den Apfel und drückt es mithilfe der gelben Kunststoffgriffe nach unten, dann bleibt das Kerngehäuse stehen, acht Apfelstücke liegen mundgerecht und fertig zum sofortigen Verzehr daneben. In diesem Fall kann man übrigens ganz beruhigt Äpfel mit Birnen vergleichen – mit Birnen geht’s nämlich auch.
Und das ganze dauert maximal 10 Sekunden. Sensation! Ich habe noch nie so viele Äpfel gegessen wie in den letzten Tagen.
Das ist toll. Meine Mama ist auch völlig begeistert – Hurra! Das Kind isst viele Vitamine. Das habe ich zwar auch früher, aber eben nicht soooo viele. Und genau das bringt mich ins Grübeln.
Bin ich einfach ein Konsum-Kind? Erliege ich einfach jeder neumodischen Erscheinung und muss ich sie unbedingt in mein Leben lassen? Muss immer alles schnell gehen und wenig Arbeit machen?
Äpfelaufschneiden von Hand dauert auch keine Ewigkeit. Maximal einige Minuten. Die Äpfel müssen ja nicht geschält werden, eben einfach nur aufgeschnitten, Kerngehäuse raus und halbwegs schöne, gleichmäßige Apfelspalten daraus machen. Das hat ja auch etwas Beruhigendes. Etwas geradezu Meditatives. So wie das Öffnen eines frischen Nutella-Glases: mit dem Fingernagel langsam am Glasrand die goldene Folie einritzen und aufpassen, dass die glatte Nutella-Oberfläche auch glatt bleibt. Und dann: mit dem Messer rein! Oder wie Orangenschälen während des Fernsehens. Das muss man mit Hingabe machen. Dann entspannt es und dann tut auch das Schälen an sich schon gut – und nicht nur der Vitamingehalt.
Ich esse jetzt erst mal einen Apfel. Und der neue Apfelspalter bleibt im Schrank.

Grüße aus Wuppertal!
Die Prosa ist super geeignet um sie auswendig zu lernen und später an "passender Stelle" vorzutragen ;-)