Geburtstags-Fahne
Dieser 23. Mai ist ein wichtiger Tag für Deutschland. Die Fahnen hängen sogar draußen – an Schulen, an Rathäusern, überall. Wir feiern nämlich einen bedeutenden Geburtstag. Ich sage mal: wenn es diesen Geburtstag nicht gäbe, dann wäre ich nicht das, was ich heute bin. Ziemlich sicher gäbe es mich dann gar nicht. Das Geburtstagskind hat mich, seit ich denken kann, ziemlich geprägt. Es ist quasi die Voraussetzung dafür, dass ich sein und machen kann, was ich will – natürlich nur so lange es niemand anderen beeinträchtigt. Ich darf meine Meinung sagen – zu allem und jedem. Ich durfte und darf mich überall und mit jedem treffen. Das erlaubt das Geburtstagskind. Es gibt überhaupt immer eine klare Linie vor und gesteht mir eine Menge Rechte zu. Niemand war böse, als ich mein erstes Studium abgebrochen habe. Im Gegenteil: alle waren froh, dass ich meinen Beruf frei gewählt habe. Der Jubilar von heute ist auch mitverantwortlich dafür, dass ich meinen Job als Journalistin ungehindert machen kann. Er steht also zu hundert Prozent hinter mir und hält mir den Rücken frei, zum Beispiel wenn ich in brenzligen Recherchen stecke. Und er hat mir beigebracht, wie’s so läuft im Leben. Worauf es ankommt, was wirklich wichtig ist. Dass man nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere Menschen achten soll. Wie man sich in Deutschland zurecht findet – zum Beispiel mit Bund und Ländern, Bundestag und Bundesrat, Gesetzgebung und Rechtsprechung und so.
Happy Birthday, Papa!
Schon seit der Grundschule bin ich stolz darauf, dass niemand sonst einen Papa hat, an dessen Geburtstag überall geflaggt ist. Das hat bestimmt was damit zu tun, dass er der Beste ist.
Ach übrigens: auch das Grundgesetz hat heute Geburtstag. Aber da würde ja niemand auf die Idee kommen, deshalb die Fahnen zu hissen...
