Annika Fallak

Journalistin, Moderatorin & Sprecherin

Waschechtes Entsetzen

18.03.2009

 

Es gibt ja Dinge des täglichen Lebens, die kaufen wir nur alle paar Monate mal. Dazu gehören so Sachen wie Alufolie, Olivenöl und Waschmittel.

Waschmittel brauchte ich vor Kurzem auch. Also verschlägt es mich in den Waschmittelladen meines Vertrauens, um dort meine Standard-Marke zu kaufen. Es ist die gleiche, die meine Mama nimmt. Denn was sich bei Mama bewährt hat, wird natürlich auch in meinem Haushalt weitergeführt. Das erwähne ich, weil es später noch wichtig wird. In diesem Laden also laufe ich zielstrebig zu den Waschmittel-Regalen. Das sind einige. Ich glaube, dort gibt es alle Waschmittelmarken dieser Welt.

 

Ich gehe einmal den Gang herunter – ohne Erfolg. Okay, kann passieren. Die haben sicher umgeräumt. Den Gang wieder zurück. Hmpf. Meine Marke will mir nicht ins Auge fallen. Noch ein Versuch – und jetzt trifft mich fast der Schlag. Zwar gibt es mein bevorzugtes Flüssigwaschmittel, aber ich muss mit Entsetzen erkennen, dass sich übereifrige Produkt-Designer an der Flasche zu schaffen gemacht haben. Und das nicht zu knapp. Ich gebe zu: schicke Form. Sieht toll aus, die Flasche, wie sie da so im Regal steht. Macht wirklich was her im Vergleich zu den anderen. Aber hat sich IRGENDJEMAND Gedanken über die Funktionalität gemacht? Sicher nicht. Bisher war die Flasche wunderbar zu greifen – mit einem in den Hohlkörper eingelassenen Griff. Dadurch, dass sich auch der Griff mit Waschmittel füllt, sogar materialmäßig so sparsam wie eben möglich. So. Jetzt haben wir eine durchdesignte Flasche. Aber keinen Griff. Die Verpackung ist auch noch so breit und so tief, dass sie richtig ungünstig zu greifen ist. Ist die Flasche voll, packt der Durchschnitts-Waschmittel-Anwender ja auch mal etwas fester zu – schließlich ist die Flasche entsprechend schwer. Das ist ungünstig bei dem neuen Verpackungsmaterial. Zu weich. Es schwappt bei der ersten Waschladung fast doppelt so viel heraus wie es soll. Prima. Planen Sie Zeit zum Badezimmerputzen ein.

 

Ich suche in den Regalen, ob nicht vielleicht doch noch eine Flasche im alten Design da ist. Fehlanzeige. Stattdessen fällt mir auf, dass ALLE anderen Marken einen integrierten Griff haben – der übrigens auch den Transport aus dem Supermarkt heraus deutlich vereinfacht, wenn man verhindern will, dass die Papiertüte reißt. Der weiße Riese, Persil, Butri, Ariel, Spee, Perwoll, Vernell, Dash, Denk mit, Sunil, Domol, Fewa… ALLES was sonst noch im Regal steht, hat diesen Griff. Daraus schließen wir: das Ding hat sich bewährt. Mein Waschmittel dagegen muss ihn abschaffen – hat ja schließlich jeder.

 

Ich bin so sauer auf den Waschmittelhersteller, dass ich noch im Supermarkt meine Mama anrufe. Schließlich muss ich ja meiner Empörung freien Lauf lassen. Zwar schauen mich die anderen Kunden ein wenig kariert an, als ich am Handy die neue Verpackung beschreibe, aber das ist mir egal – meine Mama versteht mich. Außerdem muss ich sie ja warnen. Nicht, dass sie beim nächsten Einkauf genauso überrascht dasteht wie ich. Sie hat die Flaschen noch nicht gesehen – ist aber am Telefon nach der ersten, sagen wir: Belustigung (nein, sie hat mich nicht ausgelacht!!!) mindestens genauso empört wie ich wegen des von mir haarklein beschriebenen neuen Designs.

 

Und wenn Sie glauben, die Designänderung sei schon alles: NEIN. Bisher war bei den Waschmittelflaschen immer eine Dosierkugel dabei. Nicht, dass ich Dosierkugelsammler wäre. Ich habe auch noch genug. Allerdings merke ich gleich an: mit Dosierkugeln ist es wie mit Socken. Die verschwinden regelmässig. Wenn ich also dieses dosierkugel-essende Wesen finde, dann….! Jetzt gibt es also keine Kugeln mehr dazu beim Einkauf. Gäbe es grundsätzlich keine – okay, damit könnte ich leben. Die anderen Marken kommen ja auch ohne aus und meine Waschmaschine hat schließlich auch eine ganz normale Waschmittelschublade. Einfüllen geht problemlos auch mit der Verschlusskappe. Aber das, was auf der Rückseite der Flasche steht, ist wirklich der Gipfel. „Dosierkugeln können sie kostenlos telefonisch oder unter ud.dosierhilfen{at}unilever.com anfordern.“ Hallo? Merkt noch jemand was?

Natürlich: Es schont die Umwelt, wenn nicht mit jeder Waschmittelflasche auch eine Dosierkugel rausgeht. Wahrscheinlich stoppt unilever den Klimawandel durch die eingesparten Kugeln. Sicher sogar. Aber manchmal ist mir das Weltklima egal. Manchmal bin ich einfach Konsument – und das ist gut so. Dann bin ich Kunde – und als Kunde will ich bitte sehr behandelt werden wie ein König. Das heißt nicht, dass ich einen 10-Euro-Gutschein für meinen ersten Einkauf beim Otto-Versand haben will, der oben an der Flasche baumelt. Das heißt, dass ich eine Dosierkugel haben will. Und eine Flasche mit einem vernünftigen Griff. Und was das Klima angeht: dem helfe ich schon damit, dass ich regelmäßig Nachfüllpacks kaufe statt kompletter Flaschen.


Mein Gott, Walter!

12.02.2009

Was würden wir sagen, wenn die Mona Lisa plötzlich nur noch Mona heißen würde? Wenn Johann Sebastian Bach plötzlich Johann Bach heißen würde? Wenn Johannes B. Kerner plötzlich sein B. abstoßen würde? Genau: wir fänden es extrem befremdlich. Und wenn der Egon unterwegs verloren geht, dann können wir mit Hugo Balder auch nicht viel anfangen.
Die SPD sieht eine solche Namensverkürzung ganz anders. Ihr Kanzlerkandidat hat seinen Walter über Bord geworfen. Frank-Walter war gestern. Jetzt will nur noch Frank Bundeskanzler werden. Das hat nichts mit Persönlichkeitsspaltung zu tun. Sondern offenbar mit der Wahl. Willkommen im Bundestagswahlkampf 2009.

Und wer ist schuld? Hessen. Mal wieder. Hat doch der Kölner Markennamen-Entwickler Endmark vor der Hessenwahl herausgefunden: der Doppelname könnte Thorsten Schäfer-Gümbel einige Stimmen kosten. Allerdings: Ob sich das auch auf sperrige Doppel-Vornamen bezieht, bleibt in der Studie offen.

Fakt ist, dass TSG eindeutig griffiger klingt als FWS. Vielleicht hat ihm wirklich diese Abkürzung Angst gemacht. Bemühen wir eine Suchmaschine und wollen Ergebnisse zu "TSG“ bekommen – was finden wir? Klar. Ganz oben den aktuellen Spitzenreiter und Serien-Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim. Gefolgt von vielen anderen Sportvereinen. Tolle Assoziation, der Sport. By the way: Thorsten Schäfer-Gümbel schmeißt uns die Ergebnisliste auf Platz vier heraus. Aber was wirft die Suchmaschine aus, wenn wir nach "FWS" suchen? Das ist wenig schmeichelhaft. Top-Ergebnis ist die Altkleider-Recycling-Firma FWS. Assoziation: Alt, abgewetzt, weggegeben,… auf dem Weg zur Wiederverwertung. Außerdem: jede Menge Freie Waldorf-Schulen. Wie es wohl aussieht, wenn Frank-Walter Steinmeier auf Wahlkampf-Veranstaltungen seinen Namen tanzt? Keine gute Idee, finden die SPD-Wahlkampfstrategen. Sie sagen: Walter muss weg. „Frank“ klingt lebenspraktischer, heißt es dort. Vielleicht sieht es auch getanzt besser aus. Und Steinmeier selbst will von seinen Freunden ja auch nur Frank genannt werden.

Ein anderer Grund für den Namenswechsel könnte die klare Abgrenzung vom Koalitionspartner CSU sein. Der hat ja bekanntlich gerade einen Mann zum Wirtschaftsminister gemacht, der über zwei Vornamen nur müde lächeln kann. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg hat gleich 10 davon.

Frank-Walter Steinmeier ist also auf dem Weg in die Belanglosigkeit. Allein im Online-Business-Netzwerk „xing“ finden wir fünf verschiedene Profile mit dem Namen „Frank Steinmeier“. Im Klartext: es ist ein Allerweltsname. Reduzieren wir ihn auf den Vornamen, wird es besonders deutlich. Allein aus Berlin sind dort über 300 Franks registriert. „Frank-Walters“ gibt es dort insgesamt nur zwei. Frank-Walter macht also unverkennbar, ja, es zeichnet den Vize-Kanzler sogar in gewisser Weise aus.

Vielleicht ist der Wechsel aber auch nur ein Zeichen. Schließlich soll bei seinem Titel „Vize-Kanzler“ ja demnächst auch eine Seite des Bindestrichs wegfallen.

Ein Problem könnte die Adresse seiner offiziellen Homepage werden. Die wird wohl weiter frank-walter-steinmeier.de heißen. Zwar fehlt in den „Nachrichten“ auf der Seite, die seit dem 26.01.2009 online gestellt wurden, der Walter schon, allerdings hat es bisher noch keiner seiner Mitarbeiter geschafft, den Schriftzug oben zu verändern.
Frank-steinmeier.de gehört im Moment übrigens einer Kölner Firma für Internet-Dienstleistungen. Und noch will die SPD angeblich kein Geld für die Domain ausgeben. Das könnte zu Verwirrungen führen im Wahlkampf.


Macht Spiele

09.02.2009

Was war denn das? Das vergangene Wochenende hat mal eben ganz lässig den Zustand der Union präsentiert. Mitten in der Wirtschaftskrise fällt unserem zuständigen Bundesminister Michael Glos ein, dass er ja eigentlich gar keine Lust mehr auf den Job hat (und auch noch nie hatte, aber das hat er nicht gesagt). Er ist schon 64. Recht hat er. Die Rente mit 67 haben ja schließlich die anderen verbrochen. Er will nach der Wahl eh nicht mehr im Kabinett sitzen. Und er will den Weg in der CSU für Veränderung frei machen. Kurz: Er will hinwerfen. Dafür verzichtet er gerne auf seine Ministerpension. Die bekommt nämlich nur der, der eine komplette Legislaturperiode durchhält. Vielleicht ist das der Preis, den er zahlt, um mit seinem Parteichef Horst Seehofer abzurechnen. Wie sonst ist es zu erklären, dass Glos sich an einem ohnehin politisch vollgepackten Wochenende (Münchner Sicherheitskonferenz) überlegt, Seehofer einen Brief mit Rücktrittsangebot zu schreiben – und eine Kopie davon gleich noch an die Presse zu geben? Er wollte Macht spielen, könnte man denken. Und dieses Spiel gegen Seehofer hat er gewonnen. Glos hat ihn vorgeführt – und man darf vermuten, dass er genau das wollte. Warum sonst hätte er dem CSU-Chef ein Schreiben schicken sollen, in dem er darum bittet, von seinem Amt entbunden zu werden? Formal hat der Parteichef damit nichts zu tun. Laut Artikel 64 Absatz 1 des Grundgesetzes werden Bundesminister auf Vorschlag des Kanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen. Seehofer und auch Kanzlerin Merkel haben in dieser Situation funktioniert. Dummerweise nicht im Sinne der Bundesregierung oder der CSU. Sondern im Sinne des Bundeswirtschaftsministers.
Der „liebe Horst“ lehnt das Rücktrittsangebot ab, zeigt sich völlig überrumpelt und macht auch am Montag drauf noch einen äußerst angespannten Eindruck. Noch immer bezeichnet er den Ablauf als „überraschend“, „ärgerlich“, spricht von „unschönen eineinhalb Tagen“. Das ist wirkt weniger wie Krisenmanagement sondern eher wie verletzte Eitelkeit.

Aber schauen wir nach vorne. Der Neue ist Karl-Theodor zu Guttenberg und er verzeichnet den zweiten großen Karrieresprung in kurzer Zeit. Erst im Herbst wurde der 37-Jährige CSU-Generalsekretär. Zu Guttenberg wirkte tough und smart in seinen ersten Monaten in diesem Amt. Zweifellos ist ihm politisch eine Menge zuzutrauen. Er ist jung, ehrgeizig und durchaus redegewandt. Jetzt rückt er also in die Bundesregierung. Der Haken an der Sache: zu Guttenberg ist Außenpolitiker. Erfahrungen in der Wirtschaftspolitik hat er so gut wie gar nicht. Seehofer sieht ihn allerdings durch das "traditionsreiche Familienunternehmen" qualifiziert. Nun denn. Farbloser als Glos kann er in der Wirtschaftskrise eh nicht dastehen. Allerdings hat zu Guttenberg auch kaum noch Zeit, zu zeigen, ob er’s wirklich kann. Im Herbst ist Bundestagswahl. Vorher wird lange Wahl gekämpft. Das bedeutet, es wird noch drei, vier Monate regiert. In dieser Zeit wird der Krach zwischen SPD und Union immer häufiger und heftiger werden. Das liegt in der Natur der Sache. Angeblich hat zu Guttenberg sich schon abgesichert für die kommende Legislaturperiode und als Gegenleistung für seinen Wechsel ins Wirtschaftsministerium den Landesgruppenvorsitz im Bundestag ab Herbst gefordert. Zwar bestreitet er das, aber es wäre schlau. Denn zu Guttenberg muss wirklich aufpassen. Darauf nämlich, dass er nicht verheizt und zum 100-Tage-Guttenberg wird.
100 Tage CSU-Generalsekretär. 100 Tage Wirtschaftsminister.
Es könnte für ihn schnell wieder vorbei sein in der Bundesregierung. Denn ob er als „Fachfremder“ nach der Wahl noch auf diesem Posten sitzen wird, ist mehr als fraglich.
Zu Guttenberg könnte also schneller wieder aus dem Ministerium ausziehen müssen als er seinen kompletten Namen auf das Türschild geschrieben hat.

"Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg."

Das dauert.

 


Apfelessen für Fortgeschrittene

24.01.2009

Es ist DIE Anschaffung überhaupt. 3 Euro 99. Es spart Zeit. Es sorgt indirekt für ein gesünderes Leben. Und es macht Spaß. Eine Weltidee also.

Ich habe mir einen Apfelspalter gekauft.

Er hat ein Loch in der Mitte mit dem Durchmesser eines Kerngehäuses – ungefähr. Von diesem kleinen Metallring gehen strahlenförmig acht Metallklingen ab. Setzt man das Ding von oben auf den Apfel und drückt es mithilfe der gelben Kunststoffgriffe nach unten, dann bleibt das Kerngehäuse stehen, acht Apfelstücke liegen mundgerecht und fertig zum sofortigen Verzehr daneben. In diesem Fall kann man übrigens ganz beruhigt Äpfel mit Birnen vergleichen – mit Birnen geht’s nämlich auch.
Und das ganze dauert maximal 10 Sekunden. Sensation! Ich habe noch nie so viele Äpfel gegessen wie in den letzten Tagen.
Das ist toll. Meine Mama ist auch völlig begeistert – Hurra! Das Kind isst viele Vitamine. Das habe ich zwar auch früher, aber eben nicht soooo viele. Und genau das bringt mich ins Grübeln.

Bin ich einfach ein Konsum-Kind? Erliege ich einfach jeder neumodischen Erscheinung und muss ich sie unbedingt in mein Leben lassen? Muss immer alles schnell gehen und wenig Arbeit machen?

Äpfelaufschneiden von Hand dauert auch keine Ewigkeit. Maximal einige Minuten. Die Äpfel müssen ja nicht geschält werden, eben einfach nur aufgeschnitten, Kerngehäuse raus und halbwegs schöne, gleichmäßige Apfelspalten daraus machen. Das hat ja auch etwas Beruhigendes. Etwas geradezu Meditatives. So wie das Öffnen eines frischen Nutella-Glases: mit dem Fingernagel langsam am Glasrand die goldene Folie einritzen und aufpassen, dass die glatte Nutella-Oberfläche auch glatt bleibt. Und dann: mit dem Messer rein! Oder wie Orangenschälen während des Fernsehens. Das muss man mit Hingabe machen. Dann entspannt es und dann tut auch das Schälen an sich schon gut – und nicht nur der Vitamingehalt.

Ich esse jetzt erst mal einen Apfel. Und der neue Apfelspalter bleibt im Schrank.