Was würden wir sagen, wenn die Mona Lisa plötzlich nur noch Mona heißen würde? Wenn Johann Sebastian Bach plötzlich Johann Bach heißen würde? Wenn Johannes B. Kerner plötzlich sein B. abstoßen würde? Genau: wir fänden es extrem befremdlich. Und wenn der Egon unterwegs verloren geht, dann können wir mit Hugo Balder auch nicht viel anfangen.
Die SPD sieht eine solche Namensverkürzung ganz anders. Ihr Kanzlerkandidat hat seinen Walter über Bord geworfen. Frank-Walter war gestern. Jetzt will nur noch Frank Bundeskanzler werden. Das hat nichts mit Persönlichkeitsspaltung zu tun. Sondern offenbar mit der Wahl. Willkommen im Bundestagswahlkampf 2009.
Und wer ist schuld? Hessen. Mal wieder. Hat doch der Kölner Markennamen-Entwickler Endmark vor der Hessenwahl herausgefunden: der Doppelname könnte Thorsten Schäfer-Gümbel einige Stimmen kosten. Allerdings: Ob sich das auch auf sperrige Doppel-Vornamen bezieht, bleibt in der Studie offen.
Fakt ist, dass TSG eindeutig griffiger klingt als FWS. Vielleicht hat ihm wirklich diese Abkürzung Angst gemacht. Bemühen wir eine Suchmaschine und wollen Ergebnisse zu "TSG“ bekommen – was finden wir? Klar. Ganz oben den aktuellen Spitzenreiter und Serien-Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim. Gefolgt von vielen anderen Sportvereinen. Tolle Assoziation, der Sport. By the way: Thorsten Schäfer-Gümbel schmeißt uns die Ergebnisliste auf Platz vier heraus. Aber was wirft die Suchmaschine aus, wenn wir nach "FWS" suchen? Das ist wenig schmeichelhaft. Top-Ergebnis ist die Altkleider-Recycling-Firma FWS. Assoziation: Alt, abgewetzt, weggegeben,… auf dem Weg zur Wiederverwertung. Außerdem: jede Menge Freie Waldorf-Schulen. Wie es wohl aussieht, wenn Frank-Walter Steinmeier auf Wahlkampf-Veranstaltungen seinen Namen tanzt? Keine gute Idee, finden die SPD-Wahlkampfstrategen. Sie sagen: Walter muss weg. „Frank“ klingt lebenspraktischer, heißt es dort. Vielleicht sieht es auch getanzt besser aus. Und Steinmeier selbst will von seinen Freunden ja auch nur Frank genannt werden.
Ein anderer Grund für den Namenswechsel könnte die klare Abgrenzung vom Koalitionspartner CSU sein. Der hat ja bekanntlich gerade einen Mann zum Wirtschaftsminister gemacht, der über zwei Vornamen nur müde lächeln kann. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg hat gleich 10 davon.
Frank-Walter Steinmeier ist also auf dem Weg in die Belanglosigkeit. Allein im Online-Business-Netzwerk „xing“ finden wir fünf verschiedene Profile mit dem Namen „Frank Steinmeier“. Im Klartext: es ist ein Allerweltsname. Reduzieren wir ihn auf den Vornamen, wird es besonders deutlich. Allein aus Berlin sind dort über 300 Franks registriert. „Frank-Walters“ gibt es dort insgesamt nur zwei. Frank-Walter macht also unverkennbar, ja, es zeichnet den Vize-Kanzler sogar in gewisser Weise aus.
Vielleicht ist der Wechsel aber auch nur ein Zeichen. Schließlich soll bei seinem Titel „Vize-Kanzler“ ja demnächst auch eine Seite des Bindestrichs wegfallen.
Ein Problem könnte die Adresse seiner offiziellen Homepage werden. Die wird wohl weiter frank-walter-steinmeier.de heißen. Zwar fehlt in den „Nachrichten“ auf der Seite, die seit dem 26.01.2009 online gestellt wurden, der Walter schon, allerdings hat es bisher noch keiner seiner Mitarbeiter geschafft, den Schriftzug oben zu verändern.
Frank-steinmeier.de gehört im Moment übrigens einer Kölner Firma für Internet-Dienstleistungen. Und noch will die SPD angeblich kein Geld für die Domain ausgeben. Das könnte zu Verwirrungen führen im Wahlkampf.