Annika Fallak

Journalistin, Moderatorin & Sprecherin

Wer hat sie denn nun, die Kraft?

29.08.2009

Das entwickelt sich ja immer mehr zur zentralen Frage in diesem Bundestagswahlkampf, der im Moment so ziemlich alles ist, nur kein Kampf. Eher ein Krampf. Aber das soll nicht das Thema sein.

Kraft. Wer hat sie? Wir. Darin sind sich viele Parteien zumindest einig. Die CDU sagt: „Wir haben die Kraft“ und plakatiert das auch munter überall.

Auch die SPD in NRW darf mit Recht behaupten: „Wir haben die Kraft“ und dabei auf ihre Vorsitzende Hannelore zeigen. Die hat nämlich „Kraft“ hinter Hannelore im Ausweis stehen und auch im Parteibuch. Also: die SPD hat die Kraft und kann das auch beweisen.

Jetzt kommen aber auch noch die Piraten um die Ecke und sagen: "Kraft? Haben wir." Das untermauern sie mit den Internet-Domains www.wir-haben-die-kraft.de und www.wirhabendiekraft.de

Wir halten fest: die CDU war wohl zu schwach, sich die passenden Domains zu ihrem Slogan zu sichern. Aber was macht sie eigentlich gerade mit ihrer angeblichen Kraft?


Ausgezeichnet!

05.05.2009

Wow…Medienpreis der LfK Baden-Württemberg in der Kategorie Hörfunk Information. Das klingt ganz gut, oder? Ganz ehrlich: ich konnte gar nicht hinschauen, als vorne auf der Leinwand die Nominierten zu sehen waren – und alle darauf warteten, dass nur noch ein Bild stehen bleibt… Irgendwann hab ich dann meinen Namen gehört. Und jetzt fühle ich mich ausgezeichnet.

 

Die Jury sagt:

"Eine sehr gute investigative Reportage, in der hörbar vor Ort recherchiert wird. Durch die eingefangenen Geräusche und die Art der Berichterstattung ist der Hörer hautnah bei der Aktion dabei, in der die freie Zugänglichkeit der Akten überprüft wird. Ergänzt wird der Beitrag durch gute O-Töne on Betroffenen und Ärzten. die den festgestellten Befund einordnen; eine Sendung, die auch etwas bewirkt hat, wie die Reaktion des Krankenhauses zeigt."

 

Die ausgezeichneten Beiträge gibt es hier zum Nachhören.


Live um jeden Preis

30.04.2009

Koniginnendaag in den Niederlanden. Ich habe mich wirklich gefreut, wollte die Parade im Fernsehen anschauen. In der Redaktion habe ich extra nach einem niederländischen TV-Programm auf unseren Fernsehern gesucht. Leider war keines zu finden. Schade. Ich bin dann bei n-tv stehen geblieben. Es dümpelte so neben mir her, während ich arbeitete. Plötzlich das rote Laufband: Unfall in Apeldoorn, mindestens 14 Verletzte. Ich bin schon bei diesen Worten entsetzt – weiß aber noch nicht, dass das Entsetzen in den nächsten Minuten noch viel, viel größer wird. Aus zweierlei Gründen. Der erste ist die Tatsache an sich, dass es tatsächlich jemand schafft, mit dem Auto die Absperrungen einer solchen Veranstaltung zu durchbrechen. Sieben Menschen sind gestorben, stellt sich später heraus.
Der zweite – und wichtigere – Grund: die Berichterstattung von n-tv.
Kurz nachdem das rote Laufband beginnt, geht der Sender live drauf. Kameraleute laufen ja schließlich genug herum in Apeldoorn, da wird mal flugs eine Leitung aufgebaut. Ein Korrespondent, der zumindest ansatzweise journalistische Fähigkeiten besitzt, scheint nicht greifbar. Der Kommentar kommt vom Nachrichtenmann im Studio. Ich sehe Menschen, die aufgeregt durcheinander laufen. Ich sehe Fahrräder, die auf der Straße liegen. Ich sehe ein völlig demoliertes schwarzes Auto an einem Denkmal. Und ich sehe Menschen, die reglos auf der Straße liegen. Und bei denen Helfer dabei sind, eine Herzmassage durchzuführen. Und Mund-zu-Mund-Beatmung. Damit man die Angst und das Entsetzen in den Augen der Helfer auch möglichst genau sieht, zoomt der Kameramann noch richtig rein. Großaufnahme. Gefühlt dauert es mehrere Minuten – eine halbe Ewigkeit.
Ich bin fassungslos. Dort werden Menschen beim Sterben gezeigt. Live. Das ist nicht nur geschmacklos, sondern vor allem moralisch nicht vertretbar. In diesem Fall wäre ich gerne fünf Minuten später informiert gewesen. In einer solchen Situation eben nicht drauf zu halten, gebieten der gesunde Menschenverstand und die journalistische Ethik. Dazu braucht es noch nicht einmal einen Pressekodex.
Der dritte Moment, der mich wirklich schockt: nur einer meiner Kollegen in der Redaktion sieht die Sache ähnlich wie ich. Die anderen sind zweifellos der Meinung, das gehöre eben dazu. So eine Chance auf solche Live-Bilder dürfe man sich nicht entgehen lassen. Hauptsache live drauf. Egal um welchen Preis.


Mein Gott, Walter!

12.02.2009

Was würden wir sagen, wenn die Mona Lisa plötzlich nur noch Mona heißen würde? Wenn Johann Sebastian Bach plötzlich Johann Bach heißen würde? Wenn Johannes B. Kerner plötzlich sein B. abstoßen würde? Genau: wir fänden es extrem befremdlich. Und wenn der Egon unterwegs verloren geht, dann können wir mit Hugo Balder auch nicht viel anfangen.
Die SPD sieht eine solche Namensverkürzung ganz anders. Ihr Kanzlerkandidat hat seinen Walter über Bord geworfen. Frank-Walter war gestern. Jetzt will nur noch Frank Bundeskanzler werden. Das hat nichts mit Persönlichkeitsspaltung zu tun. Sondern offenbar mit der Wahl. Willkommen im Bundestagswahlkampf 2009.

Und wer ist schuld? Hessen. Mal wieder. Hat doch der Kölner Markennamen-Entwickler Endmark vor der Hessenwahl herausgefunden: der Doppelname könnte Thorsten Schäfer-Gümbel einige Stimmen kosten. Allerdings: Ob sich das auch auf sperrige Doppel-Vornamen bezieht, bleibt in der Studie offen.

Fakt ist, dass TSG eindeutig griffiger klingt als FWS. Vielleicht hat ihm wirklich diese Abkürzung Angst gemacht. Bemühen wir eine Suchmaschine und wollen Ergebnisse zu "TSG“ bekommen – was finden wir? Klar. Ganz oben den aktuellen Spitzenreiter und Serien-Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim. Gefolgt von vielen anderen Sportvereinen. Tolle Assoziation, der Sport. By the way: Thorsten Schäfer-Gümbel schmeißt uns die Ergebnisliste auf Platz vier heraus. Aber was wirft die Suchmaschine aus, wenn wir nach "FWS" suchen? Das ist wenig schmeichelhaft. Top-Ergebnis ist die Altkleider-Recycling-Firma FWS. Assoziation: Alt, abgewetzt, weggegeben,… auf dem Weg zur Wiederverwertung. Außerdem: jede Menge Freie Waldorf-Schulen. Wie es wohl aussieht, wenn Frank-Walter Steinmeier auf Wahlkampf-Veranstaltungen seinen Namen tanzt? Keine gute Idee, finden die SPD-Wahlkampfstrategen. Sie sagen: Walter muss weg. „Frank“ klingt lebenspraktischer, heißt es dort. Vielleicht sieht es auch getanzt besser aus. Und Steinmeier selbst will von seinen Freunden ja auch nur Frank genannt werden.

Ein anderer Grund für den Namenswechsel könnte die klare Abgrenzung vom Koalitionspartner CSU sein. Der hat ja bekanntlich gerade einen Mann zum Wirtschaftsminister gemacht, der über zwei Vornamen nur müde lächeln kann. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg hat gleich 10 davon.

Frank-Walter Steinmeier ist also auf dem Weg in die Belanglosigkeit. Allein im Online-Business-Netzwerk „xing“ finden wir fünf verschiedene Profile mit dem Namen „Frank Steinmeier“. Im Klartext: es ist ein Allerweltsname. Reduzieren wir ihn auf den Vornamen, wird es besonders deutlich. Allein aus Berlin sind dort über 300 Franks registriert. „Frank-Walters“ gibt es dort insgesamt nur zwei. Frank-Walter macht also unverkennbar, ja, es zeichnet den Vize-Kanzler sogar in gewisser Weise aus.

Vielleicht ist der Wechsel aber auch nur ein Zeichen. Schließlich soll bei seinem Titel „Vize-Kanzler“ ja demnächst auch eine Seite des Bindestrichs wegfallen.

Ein Problem könnte die Adresse seiner offiziellen Homepage werden. Die wird wohl weiter frank-walter-steinmeier.de heißen. Zwar fehlt in den „Nachrichten“ auf der Seite, die seit dem 26.01.2009 online gestellt wurden, der Walter schon, allerdings hat es bisher noch keiner seiner Mitarbeiter geschafft, den Schriftzug oben zu verändern.
Frank-steinmeier.de gehört im Moment übrigens einer Kölner Firma für Internet-Dienstleistungen. Und noch will die SPD angeblich kein Geld für die Domain ausgeben. Das könnte zu Verwirrungen führen im Wahlkampf.