Annika Fallak

Journalistin, Moderatorin & Sprecherin

Wer hat sie denn nun, die Kraft?

29.08.2009

Das entwickelt sich ja immer mehr zur zentralen Frage in diesem Bundestagswahlkampf, der im Moment so ziemlich alles ist, nur kein Kampf. Eher ein Krampf. Aber das soll nicht das Thema sein.

Kraft. Wer hat sie? Wir. Darin sind sich viele Parteien zumindest einig. Die CDU sagt: „Wir haben die Kraft“ und plakatiert das auch munter überall.

Auch die SPD in NRW darf mit Recht behaupten: „Wir haben die Kraft“ und dabei auf ihre Vorsitzende Hannelore zeigen. Die hat nämlich „Kraft“ hinter Hannelore im Ausweis stehen und auch im Parteibuch. Also: die SPD hat die Kraft und kann das auch beweisen.

Jetzt kommen aber auch noch die Piraten um die Ecke und sagen: "Kraft? Haben wir." Das untermauern sie mit den Internet-Domains www.wir-haben-die-kraft.de und www.wirhabendiekraft.de

Wir halten fest: die CDU war wohl zu schwach, sich die passenden Domains zu ihrem Slogan zu sichern. Aber was macht sie eigentlich gerade mit ihrer angeblichen Kraft?


Geburtstags-Fahne

23.05.2009

Dieser 23. Mai ist ein wichtiger Tag für Deutschland. Die Fahnen hängen sogar draußen – an Schulen, an Rathäusern, überall. Wir feiern nämlich einen bedeutenden Geburtstag. Ich sage mal: wenn es diesen Geburtstag nicht gäbe, dann wäre ich nicht das, was ich heute bin. Ziemlich sicher gäbe es mich dann gar nicht. Das Geburtstagskind hat mich, seit ich denken kann, ziemlich geprägt. Es ist quasi die Voraussetzung dafür, dass ich sein und machen kann, was ich will – natürlich nur so lange es niemand anderen beeinträchtigt. Ich darf meine Meinung sagen – zu allem und jedem. Ich durfte und darf mich überall und mit jedem treffen. Das erlaubt das Geburtstagskind. Es gibt überhaupt immer eine klare Linie vor und gesteht mir eine Menge Rechte zu. Niemand war böse, als ich mein erstes Studium abgebrochen habe. Im Gegenteil: alle waren froh, dass ich  meinen Beruf frei gewählt habe. Der Jubilar von heute ist auch mitverantwortlich dafür, dass ich meinen Job als Journalistin ungehindert machen kann. Er steht also zu hundert Prozent hinter mir und hält mir den Rücken frei, zum Beispiel wenn ich in brenzligen Recherchen stecke. Und er hat mir beigebracht, wie’s so läuft im Leben. Worauf es ankommt, was wirklich wichtig ist. Dass man nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere Menschen achten soll. Wie man sich in Deutschland zurecht findet – zum Beispiel mit Bund und Ländern, Bundestag und Bundesrat, Gesetzgebung und Rechtsprechung und so.

Happy Birthday, Papa!

Schon seit der Grundschule bin ich stolz darauf, dass niemand sonst einen Papa hat, an dessen Geburtstag überall geflaggt ist. Das hat bestimmt was damit zu tun, dass er der Beste ist. 

Ach übrigens: auch das Grundgesetz hat heute Geburtstag. Aber da würde ja niemand auf die Idee kommen, deshalb die Fahnen zu hissen...


Mein Gott, Walter!

12.02.2009

Was würden wir sagen, wenn die Mona Lisa plötzlich nur noch Mona heißen würde? Wenn Johann Sebastian Bach plötzlich Johann Bach heißen würde? Wenn Johannes B. Kerner plötzlich sein B. abstoßen würde? Genau: wir fänden es extrem befremdlich. Und wenn der Egon unterwegs verloren geht, dann können wir mit Hugo Balder auch nicht viel anfangen.
Die SPD sieht eine solche Namensverkürzung ganz anders. Ihr Kanzlerkandidat hat seinen Walter über Bord geworfen. Frank-Walter war gestern. Jetzt will nur noch Frank Bundeskanzler werden. Das hat nichts mit Persönlichkeitsspaltung zu tun. Sondern offenbar mit der Wahl. Willkommen im Bundestagswahlkampf 2009.

Und wer ist schuld? Hessen. Mal wieder. Hat doch der Kölner Markennamen-Entwickler Endmark vor der Hessenwahl herausgefunden: der Doppelname könnte Thorsten Schäfer-Gümbel einige Stimmen kosten. Allerdings: Ob sich das auch auf sperrige Doppel-Vornamen bezieht, bleibt in der Studie offen.

Fakt ist, dass TSG eindeutig griffiger klingt als FWS. Vielleicht hat ihm wirklich diese Abkürzung Angst gemacht. Bemühen wir eine Suchmaschine und wollen Ergebnisse zu "TSG“ bekommen – was finden wir? Klar. Ganz oben den aktuellen Spitzenreiter und Serien-Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim. Gefolgt von vielen anderen Sportvereinen. Tolle Assoziation, der Sport. By the way: Thorsten Schäfer-Gümbel schmeißt uns die Ergebnisliste auf Platz vier heraus. Aber was wirft die Suchmaschine aus, wenn wir nach "FWS" suchen? Das ist wenig schmeichelhaft. Top-Ergebnis ist die Altkleider-Recycling-Firma FWS. Assoziation: Alt, abgewetzt, weggegeben,… auf dem Weg zur Wiederverwertung. Außerdem: jede Menge Freie Waldorf-Schulen. Wie es wohl aussieht, wenn Frank-Walter Steinmeier auf Wahlkampf-Veranstaltungen seinen Namen tanzt? Keine gute Idee, finden die SPD-Wahlkampfstrategen. Sie sagen: Walter muss weg. „Frank“ klingt lebenspraktischer, heißt es dort. Vielleicht sieht es auch getanzt besser aus. Und Steinmeier selbst will von seinen Freunden ja auch nur Frank genannt werden.

Ein anderer Grund für den Namenswechsel könnte die klare Abgrenzung vom Koalitionspartner CSU sein. Der hat ja bekanntlich gerade einen Mann zum Wirtschaftsminister gemacht, der über zwei Vornamen nur müde lächeln kann. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg hat gleich 10 davon.

Frank-Walter Steinmeier ist also auf dem Weg in die Belanglosigkeit. Allein im Online-Business-Netzwerk „xing“ finden wir fünf verschiedene Profile mit dem Namen „Frank Steinmeier“. Im Klartext: es ist ein Allerweltsname. Reduzieren wir ihn auf den Vornamen, wird es besonders deutlich. Allein aus Berlin sind dort über 300 Franks registriert. „Frank-Walters“ gibt es dort insgesamt nur zwei. Frank-Walter macht also unverkennbar, ja, es zeichnet den Vize-Kanzler sogar in gewisser Weise aus.

Vielleicht ist der Wechsel aber auch nur ein Zeichen. Schließlich soll bei seinem Titel „Vize-Kanzler“ ja demnächst auch eine Seite des Bindestrichs wegfallen.

Ein Problem könnte die Adresse seiner offiziellen Homepage werden. Die wird wohl weiter frank-walter-steinmeier.de heißen. Zwar fehlt in den „Nachrichten“ auf der Seite, die seit dem 26.01.2009 online gestellt wurden, der Walter schon, allerdings hat es bisher noch keiner seiner Mitarbeiter geschafft, den Schriftzug oben zu verändern.
Frank-steinmeier.de gehört im Moment übrigens einer Kölner Firma für Internet-Dienstleistungen. Und noch will die SPD angeblich kein Geld für die Domain ausgeben. Das könnte zu Verwirrungen führen im Wahlkampf.


Macht Spiele

09.02.2009

Was war denn das? Das vergangene Wochenende hat mal eben ganz lässig den Zustand der Union präsentiert. Mitten in der Wirtschaftskrise fällt unserem zuständigen Bundesminister Michael Glos ein, dass er ja eigentlich gar keine Lust mehr auf den Job hat (und auch noch nie hatte, aber das hat er nicht gesagt). Er ist schon 64. Recht hat er. Die Rente mit 67 haben ja schließlich die anderen verbrochen. Er will nach der Wahl eh nicht mehr im Kabinett sitzen. Und er will den Weg in der CSU für Veränderung frei machen. Kurz: Er will hinwerfen. Dafür verzichtet er gerne auf seine Ministerpension. Die bekommt nämlich nur der, der eine komplette Legislaturperiode durchhält. Vielleicht ist das der Preis, den er zahlt, um mit seinem Parteichef Horst Seehofer abzurechnen. Wie sonst ist es zu erklären, dass Glos sich an einem ohnehin politisch vollgepackten Wochenende (Münchner Sicherheitskonferenz) überlegt, Seehofer einen Brief mit Rücktrittsangebot zu schreiben – und eine Kopie davon gleich noch an die Presse zu geben? Er wollte Macht spielen, könnte man denken. Und dieses Spiel gegen Seehofer hat er gewonnen. Glos hat ihn vorgeführt – und man darf vermuten, dass er genau das wollte. Warum sonst hätte er dem CSU-Chef ein Schreiben schicken sollen, in dem er darum bittet, von seinem Amt entbunden zu werden? Formal hat der Parteichef damit nichts zu tun. Laut Artikel 64 Absatz 1 des Grundgesetzes werden Bundesminister auf Vorschlag des Kanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen. Seehofer und auch Kanzlerin Merkel haben in dieser Situation funktioniert. Dummerweise nicht im Sinne der Bundesregierung oder der CSU. Sondern im Sinne des Bundeswirtschaftsministers.
Der „liebe Horst“ lehnt das Rücktrittsangebot ab, zeigt sich völlig überrumpelt und macht auch am Montag drauf noch einen äußerst angespannten Eindruck. Noch immer bezeichnet er den Ablauf als „überraschend“, „ärgerlich“, spricht von „unschönen eineinhalb Tagen“. Das ist wirkt weniger wie Krisenmanagement sondern eher wie verletzte Eitelkeit.

Aber schauen wir nach vorne. Der Neue ist Karl-Theodor zu Guttenberg und er verzeichnet den zweiten großen Karrieresprung in kurzer Zeit. Erst im Herbst wurde der 37-Jährige CSU-Generalsekretär. Zu Guttenberg wirkte tough und smart in seinen ersten Monaten in diesem Amt. Zweifellos ist ihm politisch eine Menge zuzutrauen. Er ist jung, ehrgeizig und durchaus redegewandt. Jetzt rückt er also in die Bundesregierung. Der Haken an der Sache: zu Guttenberg ist Außenpolitiker. Erfahrungen in der Wirtschaftspolitik hat er so gut wie gar nicht. Seehofer sieht ihn allerdings durch das "traditionsreiche Familienunternehmen" qualifiziert. Nun denn. Farbloser als Glos kann er in der Wirtschaftskrise eh nicht dastehen. Allerdings hat zu Guttenberg auch kaum noch Zeit, zu zeigen, ob er’s wirklich kann. Im Herbst ist Bundestagswahl. Vorher wird lange Wahl gekämpft. Das bedeutet, es wird noch drei, vier Monate regiert. In dieser Zeit wird der Krach zwischen SPD und Union immer häufiger und heftiger werden. Das liegt in der Natur der Sache. Angeblich hat zu Guttenberg sich schon abgesichert für die kommende Legislaturperiode und als Gegenleistung für seinen Wechsel ins Wirtschaftsministerium den Landesgruppenvorsitz im Bundestag ab Herbst gefordert. Zwar bestreitet er das, aber es wäre schlau. Denn zu Guttenberg muss wirklich aufpassen. Darauf nämlich, dass er nicht verheizt und zum 100-Tage-Guttenberg wird.
100 Tage CSU-Generalsekretär. 100 Tage Wirtschaftsminister.
Es könnte für ihn schnell wieder vorbei sein in der Bundesregierung. Denn ob er als „Fachfremder“ nach der Wahl noch auf diesem Posten sitzen wird, ist mehr als fraglich.
Zu Guttenberg könnte also schneller wieder aus dem Ministerium ausziehen müssen als er seinen kompletten Namen auf das Türschild geschrieben hat.

"Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg."

Das dauert.