Annika Fallak

Journalistin, Moderatorin & Sprecherin

Geburtstags-Fahne

23.05.2009

Dieser 23. Mai ist ein wichtiger Tag für Deutschland. Die Fahnen hängen sogar draußen – an Schulen, an Rathäusern, überall. Wir feiern nämlich einen bedeutenden Geburtstag. Ich sage mal: wenn es diesen Geburtstag nicht gäbe, dann wäre ich nicht das, was ich heute bin. Ziemlich sicher gäbe es mich dann gar nicht. Das Geburtstagskind hat mich, seit ich denken kann, ziemlich geprägt. Es ist quasi die Voraussetzung dafür, dass ich sein und machen kann, was ich will – natürlich nur so lange es niemand anderen beeinträchtigt. Ich darf meine Meinung sagen – zu allem und jedem. Ich durfte und darf mich überall und mit jedem treffen. Das erlaubt das Geburtstagskind. Es gibt überhaupt immer eine klare Linie vor und gesteht mir eine Menge Rechte zu. Niemand war böse, als ich mein erstes Studium abgebrochen habe. Im Gegenteil: alle waren froh, dass ich  meinen Beruf frei gewählt habe. Der Jubilar von heute ist auch mitverantwortlich dafür, dass ich meinen Job als Journalistin ungehindert machen kann. Er steht also zu hundert Prozent hinter mir und hält mir den Rücken frei, zum Beispiel wenn ich in brenzligen Recherchen stecke. Und er hat mir beigebracht, wie’s so läuft im Leben. Worauf es ankommt, was wirklich wichtig ist. Dass man nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere Menschen achten soll. Wie man sich in Deutschland zurecht findet – zum Beispiel mit Bund und Ländern, Bundestag und Bundesrat, Gesetzgebung und Rechtsprechung und so.

Happy Birthday, Papa!

Schon seit der Grundschule bin ich stolz darauf, dass niemand sonst einen Papa hat, an dessen Geburtstag überall geflaggt ist. Das hat bestimmt was damit zu tun, dass er der Beste ist. 

Ach übrigens: auch das Grundgesetz hat heute Geburtstag. Aber da würde ja niemand auf die Idee kommen, deshalb die Fahnen zu hissen...


Waschechtes Entsetzen

18.03.2009

 

Es gibt ja Dinge des täglichen Lebens, die kaufen wir nur alle paar Monate mal. Dazu gehören so Sachen wie Alufolie, Olivenöl und Waschmittel.

Waschmittel brauchte ich vor Kurzem auch. Also verschlägt es mich in den Waschmittelladen meines Vertrauens, um dort meine Standard-Marke zu kaufen. Es ist die gleiche, die meine Mama nimmt. Denn was sich bei Mama bewährt hat, wird natürlich auch in meinem Haushalt weitergeführt. Das erwähne ich, weil es später noch wichtig wird. In diesem Laden also laufe ich zielstrebig zu den Waschmittel-Regalen. Das sind einige. Ich glaube, dort gibt es alle Waschmittelmarken dieser Welt.

 

Ich gehe einmal den Gang herunter – ohne Erfolg. Okay, kann passieren. Die haben sicher umgeräumt. Den Gang wieder zurück. Hmpf. Meine Marke will mir nicht ins Auge fallen. Noch ein Versuch – und jetzt trifft mich fast der Schlag. Zwar gibt es mein bevorzugtes Flüssigwaschmittel, aber ich muss mit Entsetzen erkennen, dass sich übereifrige Produkt-Designer an der Flasche zu schaffen gemacht haben. Und das nicht zu knapp. Ich gebe zu: schicke Form. Sieht toll aus, die Flasche, wie sie da so im Regal steht. Macht wirklich was her im Vergleich zu den anderen. Aber hat sich IRGENDJEMAND Gedanken über die Funktionalität gemacht? Sicher nicht. Bisher war die Flasche wunderbar zu greifen – mit einem in den Hohlkörper eingelassenen Griff. Dadurch, dass sich auch der Griff mit Waschmittel füllt, sogar materialmäßig so sparsam wie eben möglich. So. Jetzt haben wir eine durchdesignte Flasche. Aber keinen Griff. Die Verpackung ist auch noch so breit und so tief, dass sie richtig ungünstig zu greifen ist. Ist die Flasche voll, packt der Durchschnitts-Waschmittel-Anwender ja auch mal etwas fester zu – schließlich ist die Flasche entsprechend schwer. Das ist ungünstig bei dem neuen Verpackungsmaterial. Zu weich. Es schwappt bei der ersten Waschladung fast doppelt so viel heraus wie es soll. Prima. Planen Sie Zeit zum Badezimmerputzen ein.

 

Ich suche in den Regalen, ob nicht vielleicht doch noch eine Flasche im alten Design da ist. Fehlanzeige. Stattdessen fällt mir auf, dass ALLE anderen Marken einen integrierten Griff haben – der übrigens auch den Transport aus dem Supermarkt heraus deutlich vereinfacht, wenn man verhindern will, dass die Papiertüte reißt. Der weiße Riese, Persil, Butri, Ariel, Spee, Perwoll, Vernell, Dash, Denk mit, Sunil, Domol, Fewa… ALLES was sonst noch im Regal steht, hat diesen Griff. Daraus schließen wir: das Ding hat sich bewährt. Mein Waschmittel dagegen muss ihn abschaffen – hat ja schließlich jeder.

 

Ich bin so sauer auf den Waschmittelhersteller, dass ich noch im Supermarkt meine Mama anrufe. Schließlich muss ich ja meiner Empörung freien Lauf lassen. Zwar schauen mich die anderen Kunden ein wenig kariert an, als ich am Handy die neue Verpackung beschreibe, aber das ist mir egal – meine Mama versteht mich. Außerdem muss ich sie ja warnen. Nicht, dass sie beim nächsten Einkauf genauso überrascht dasteht wie ich. Sie hat die Flaschen noch nicht gesehen – ist aber am Telefon nach der ersten, sagen wir: Belustigung (nein, sie hat mich nicht ausgelacht!!!) mindestens genauso empört wie ich wegen des von mir haarklein beschriebenen neuen Designs.

 

Und wenn Sie glauben, die Designänderung sei schon alles: NEIN. Bisher war bei den Waschmittelflaschen immer eine Dosierkugel dabei. Nicht, dass ich Dosierkugelsammler wäre. Ich habe auch noch genug. Allerdings merke ich gleich an: mit Dosierkugeln ist es wie mit Socken. Die verschwinden regelmässig. Wenn ich also dieses dosierkugel-essende Wesen finde, dann….! Jetzt gibt es also keine Kugeln mehr dazu beim Einkauf. Gäbe es grundsätzlich keine – okay, damit könnte ich leben. Die anderen Marken kommen ja auch ohne aus und meine Waschmaschine hat schließlich auch eine ganz normale Waschmittelschublade. Einfüllen geht problemlos auch mit der Verschlusskappe. Aber das, was auf der Rückseite der Flasche steht, ist wirklich der Gipfel. „Dosierkugeln können sie kostenlos telefonisch oder unter ud.dosierhilfen{at}unilever.com anfordern.“ Hallo? Merkt noch jemand was?

Natürlich: Es schont die Umwelt, wenn nicht mit jeder Waschmittelflasche auch eine Dosierkugel rausgeht. Wahrscheinlich stoppt unilever den Klimawandel durch die eingesparten Kugeln. Sicher sogar. Aber manchmal ist mir das Weltklima egal. Manchmal bin ich einfach Konsument – und das ist gut so. Dann bin ich Kunde – und als Kunde will ich bitte sehr behandelt werden wie ein König. Das heißt nicht, dass ich einen 10-Euro-Gutschein für meinen ersten Einkauf beim Otto-Versand haben will, der oben an der Flasche baumelt. Das heißt, dass ich eine Dosierkugel haben will. Und eine Flasche mit einem vernünftigen Griff. Und was das Klima angeht: dem helfe ich schon damit, dass ich regelmäßig Nachfüllpacks kaufe statt kompletter Flaschen.


Apfelessen für Fortgeschrittene

24.01.2009

Es ist DIE Anschaffung überhaupt. 3 Euro 99. Es spart Zeit. Es sorgt indirekt für ein gesünderes Leben. Und es macht Spaß. Eine Weltidee also.

Ich habe mir einen Apfelspalter gekauft.

Er hat ein Loch in der Mitte mit dem Durchmesser eines Kerngehäuses – ungefähr. Von diesem kleinen Metallring gehen strahlenförmig acht Metallklingen ab. Setzt man das Ding von oben auf den Apfel und drückt es mithilfe der gelben Kunststoffgriffe nach unten, dann bleibt das Kerngehäuse stehen, acht Apfelstücke liegen mundgerecht und fertig zum sofortigen Verzehr daneben. In diesem Fall kann man übrigens ganz beruhigt Äpfel mit Birnen vergleichen – mit Birnen geht’s nämlich auch.
Und das ganze dauert maximal 10 Sekunden. Sensation! Ich habe noch nie so viele Äpfel gegessen wie in den letzten Tagen.
Das ist toll. Meine Mama ist auch völlig begeistert – Hurra! Das Kind isst viele Vitamine. Das habe ich zwar auch früher, aber eben nicht soooo viele. Und genau das bringt mich ins Grübeln.

Bin ich einfach ein Konsum-Kind? Erliege ich einfach jeder neumodischen Erscheinung und muss ich sie unbedingt in mein Leben lassen? Muss immer alles schnell gehen und wenig Arbeit machen?

Äpfelaufschneiden von Hand dauert auch keine Ewigkeit. Maximal einige Minuten. Die Äpfel müssen ja nicht geschält werden, eben einfach nur aufgeschnitten, Kerngehäuse raus und halbwegs schöne, gleichmäßige Apfelspalten daraus machen. Das hat ja auch etwas Beruhigendes. Etwas geradezu Meditatives. So wie das Öffnen eines frischen Nutella-Glases: mit dem Fingernagel langsam am Glasrand die goldene Folie einritzen und aufpassen, dass die glatte Nutella-Oberfläche auch glatt bleibt. Und dann: mit dem Messer rein! Oder wie Orangenschälen während des Fernsehens. Das muss man mit Hingabe machen. Dann entspannt es und dann tut auch das Schälen an sich schon gut – und nicht nur der Vitamingehalt.

Ich esse jetzt erst mal einen Apfel. Und der neue Apfelspalter bleibt im Schrank.